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Erfrierung und Unterkühlung

Description:  Folge einer zu großen Abgabe von Körperwärme, ohne daß Ersatz geschaffen wird. Durch nasse Kleidung oder Aufenthalt im Wasser wird der Wärmeverlust beschleunigt.
Author:Georg Wassermann
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Erfrierung und Unterkühlung


Seminararbeit

 

Der Hochwinter bietet landschaftlich und sportlich absoluten Hochgenuss. Doch er birgt auch Gefahren. Besonders heimtückisch sind Brise und Kälte. Sie können den menschlichen Körper unterkühlen oder gar zu Erfrierungen führen. Speziell gefährdet sind Zehen und Finger, Nase und Ohren.

Nicht zu unterschätzen sind aber auch zahlreiche individuelle Faktoren, wie z.B.:

  • alte Frostschäden,
  • Akklimatisation, Training und Erfahrung
  • individueller Körperzustand (Fettpolster) und vor allem Kleidung
  • körperlicher Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzung)

Wenn der menschliche Körper längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist und die Körpertemperatur dabei unter 37°C sinkt, erhöht der Körper nicht nur die Wärmeproduktion, sondern reduziert auch die Wärmeabgabe. Dabei haben die Extremitäten wegen ihrer großen Oberfläche eine wichtige thermische Regulationsfunktion. Der Kältereiz führt zu einer Zusammenziehung der peripheren Blutgefäße (Vasokonstriktion) und somit zur Drosselung der Blutzufuhr, das Blut versorgt dann primär den Körperstamm. Dieser Prozess ist ein wirksamer Selbstschutz für den Gesamtorganismus, wobei jedoch lokale Erfrierungen in Kauf genommen werden.

Was versteht man unter Unterkühlung, medizinisch Hypothermie? Damit bezeichnet man ein Absinken der Körpertemperatur von 36,5 bis 37 Grad auf unter 35 Grad. Die Erfrierung, Fachausdruck Congelatio, beschreibt einen lokalen Kälteschaden. Das bedeutet, dass die Kerntemperatur des Körpers nicht absinkt.

Unterkühlung

Die Unterkühlung (Hypothermie) betrifft den gesamten Körper und lässt sich sehr leicht mittels einer Messung der verringerten Körperkerntemperatur feststellen. Sie kann in zwei Formen auftreten:

  • akzidentelle Hypothermie: Darunter versteht man eine sehr rasche Unterkühlung, z.B. beim Einbrechen durch zu dünnes Eis auf einem See. In derartigen Fällen beträgt die Überlebenszeit bei einer Wassertemperatur von +5°C höchstens 1 Stunde. Infolge eines Herzkammerflimmerns kann der Tod aber auch bereits innerhalb von Minuten eintreten. Und bereits nach wenigen Minuten ist die Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit wichtige Handlungen auszuführen, bereits stark eingeschränkt.
  • subakute akzidentelle Hypothermie: Eine derartige Unterkühlung, wie sie z.B. beim Verschütten im Schnee durch eine Lawine auftreten kann, sinkt die Körperkerntemperatur nur allmählich innerhalb von Stunden ab. Der Verschüttete schläft ein und wird bewusstlos. Bei einem weiteren Absinken der Körperkerntemperatur kommt es dann zum Tod.

Erfrierung

Eine Erfrierung ist ein lokaler Kälteschaden des Gewebes, z.B. an den Händen, den Füßen oder den Ohren, der durch ein einmaliges, intensives Kältetrauma zustande kommt.

  • Durch die Kälte kommt es zur Schädigung der Gefäßwände, besonders an den Hautgefäßen.
  • Gleichzeitig kommt es durch die Kälte zur Umverteilung von freiem Wasser aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe, also einer Ödembildung und somit zu einem Überschuss der Blutzellen und zu einem Abfall der freien Blutflüssigkeit (Serum), was zu einer "Eindickung" des Blutes führt.
  • Infolge der Kälte kommt es zur Kreislaufzentralisation, also dem Zusammenziehen der kleineren Blutgefäße zugunsten der Aufrechterhaltung eines notwendigen Blutdruckes für die lebenswichtigen Organe. Das führt aber zu einer stark verminderten Durchblutung der äußeren Körpergebiete, insbesondere der Extremitäten.

Die Folge einer lokalen Kälteeinwirkung und damit einer Minderdurchblutung ist ein Sauerstoffmangel in den entsprechenden Gebieten (Nase, Ohren, Finger). Dieser Mangel bewirkt einen Gewebeschaden, der bis zum Zelltod reichen kann.

Erfrierungen werden in drei verschiedene Schweregrade eingeteilt:

Grad I ist gekennzeichnet durch Abkühlung und Blässe, sowie stechende Schmerzen in der betreffenden Hautregion. Die im Anfangsstadium völlig weiße und gefühllose Haut verfärbt sich in den folgenden Tagen bräunlich und kann sich später auch von der Unterlage abheben (Blasenbildung). Im Allgemeinen sind keine Spätfolgen nach Abheilung zu erwarten.

Grad II wird erst nach Wiedererwärmung sichtbar. Er ist durch Rötung, Schwellung und Blasenbildung, in erster Linie an Füßen und Händen, z.B. nach Verlust der Handschuhe, gekennzeichnet. Homogene, helle Blasen zeigen eine günstige Prognose. Ist der Blaseninhalt dagegen eher blutig, ist mit einem längeren Heilungsverlauf zu rechnen. Zerreißen die Blasen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. Es besteht die Gefahr einer Infektion, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.

Grad III ist die schwerste Form der Erfrierung. Sie ist durch eine Nekrose (abgestorbenes Gewebe) mit schwarzer, eingetrockneter Haut und hartem Unterhautzellgewebe charakterisiert. Das Ausmaß lässt sich erst nach Tagen und Wochen feststellen. Es sind vorwiegend jene Körperstellen betroffen, die neben dem Kälteeinfluss auch noch eine Druckeinwirkung, z.B. durch zu enges Schuhwerk, aushalten müssen. Die betroffenen Areale sind durch völlige Gefühllosigkeit auch nach dem Auftauen charakterisiert. An der Grenze zwischen dem lebenden und abgestorbenen Gewebe bildet sich nach Wochen und Monaten eine Demarkationsfurche aus.

Jede Erfrierung erscheint anfangs wie eine Erfrierung ersten Grades. Das Ausmaß einer Erfrierung dritten Grades ist unter Umständen erst nach Wochen erkennbar.

Spätfolgen

Die Spätfolgen von Erfrierungen bestehen vor allem in:

  • Frostbeulen (Perniones),
  • Hyperkeratosen (Verdickung der Hornschicht) u. Parakeratosen (Verhornungsstörung)
  • Hautatrophien (Verlust des Papillarkörpers u. der Epithelleisten, Untergang elastischer Fasern etc.),
  • Pigmentationen

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Zentrale Aufwärmung des Körperkerns durch Zufuhr heißer, gezuckerter Getränke.
  • Den erfrorenen Körperteil vor weiterer Kälteeinwirkung schützen, nasse Kleider durch trockene ersetzen.
  • Wärmen des erfrorenen Körperteiles am eigenen Körper (z.B. Hand in die Achselhöhle legen).
  • Zufuhr von fremder Körperwärme (z.B. kältegeschädigten Fuß in die Achselhöhle der helfenden Person legen).
  • Sterile, trockene Verbände anbringen, keine Salbenauflage.
  • Druckfrei lagern.
  • Wenn keine allgemeine Unterkühlung vorliegt: betroffene Extremität aktiv bewegen, da durch Muskelarbeit die Wärmebildung des Körpers erhöht wird.
  • Bei geringfügigen Erfrierungen selbstständiges Gehen, bei schweren Erfrierungen passiver Abtransport.
  • Keine Medikamente, außer Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin®).
  • Geheizte Räumlichkeiten aufsuchen.

Unbedingt vermeiden sollte man:

  • Einreiben mit Schnee, massieren; dies führt zu schwersten Gewebeschäden
  • Erwärmung durch Atemhauch: Dabei entsteht Verdunstungskälte, welche die Erfrierung nur noch fördert.
  • Rauchverbot: Rauchen verengt die Blutgefäße und verschlimmert dadurch die Mangeldurchblutung
  • Auftauen mittels trockener Hitze (Feuer u.ä.), da die unterkühlten Körperteile gefühllos sind, und es daher zu schweren Verbrennungen kommen kann!

Weitere Maßnahmen

  • Bei warmer Raumtemperatur heiße, gezuckerte Getränken geben.
  • Eintauchen des betroffenen Körperabschnittes in ein lauwarmes Wasserbad (bei 10°C beginnen) und soviel heißes Wasser zugießen, wie der Kältegeschädigte es schmerzmäßig gerade noch aushält (Achtung, durch die Erfrierung ist die Hautempfindung deutlich herabgesetzt). Aufwärmen nur sehr langsam und mit einer Wassertemperatur von maximal 38°C.
  • Orale Schmerzmittel (mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure) sind zulässig und wünschenswert.
  • Auftretende Blasen nicht punktieren, nicht öffnen, steril abdecken.
  • Betroffene Extremität hoch lagern, aber bewegen lassen.
  • Bei Blasenbildung passiver Abtransport, dann auch klinische Behandlung notwendig.
  • Ärztliche Sofortbehandlung

    1. Parenterale Verabreichung von Schmerzmitteln (Spritze, Infusion).
    2. Lokalbehandlung der Blasen durch sterile Verbände.
    3. Legen einer intravenösen Infusion (+Anti-sludge-Präparate - niedermolekulares Heparin).

    Komplikationen

    Bei Unterkühlung kommt es, wie erwähnt, durch eine Kreislaufzentralisierung, also einem Verschluss der kleinen Blutgefäße in der Peripherie zugunsten der Aufrechterhaltung eines ausreichenden Blutdruckes an lebenswichtigen Organen, und durch die Ödembildung, dem Herauswandern der Blutflüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe, zu einem Eindicken des Blutes und verlangsamten Blutfluss in der Peripherie. Dies kann ein Verklumpen der Blutzellen in den Gefäßen bewirken, die Vorstufe einer möglichen Thrombose.

    Bei Erfrierungen II. Grades kommt es zur Blasenbildung, wobei sich die obere Hautschicht (Epithel) ablöst und somit eine entsprechend große, auch schmerzhafte Wundfläche entsteht, vergleichbar einer Blase im drückenden Schuh. Über diese offene Wundfläche können Bakterien in den Körper eindringen und zu einer Infektion führen.

    Ist Ihre Haut durch Kälte «nur» blass geworden, juckt und schmerzt leicht, können Sie sich selbst behandeln. Der Grundsatz dafür lautet: passive Wiedererwärmung. Und so müssen Sie vorgehen:

  • Wärmen Sie sich in einem geheizten Raum langsam auf.
  • Hüllen Sie Ihren Körper zusätzlich in warme Wolldecken, aber waschen Sie Ihre eisigen Hände oder Füsse keinesfalls mit heissem Wasser. Dadurch könnte ihr Kreislauf Schaden nehmen.
  • Trinken Sie ein warmes Getränk, aber ohne Alkohol.

    Prophylaxe

    Wichtig ist das rechtzeitige Erkennen einerErfrierung. Schon beim Auftauchen der ersten pochenden Schmerzen sollte die entsprechende Körperpartie vorsichtig erwärmt werden: Die Hände z.B. kann man zu einer warmen Körperpartie (Achselhöhlen, Bauch oder den Schritt) bringen, beginnende Erfrierungen im Gesicht mit warmen Händen bedecken. Dies soll aber an einem windgeschützten Ort geschehen. Aktive Bewegung, wie Gymnastik oder ein Bewegen der Extremitäten, ist in diesem Stadium hilfreich, da es die Durchblutung fördert. Gleichzeitig muss daran gedacht werden, nasse Handschuhe etc. zu wechseln. Das sog. "Schichtenprinzip", also mehrere Kleidungsstücke übereinander anzuziehen, hilft oft mit, Erfrierungen zu vermeiden. Beengende Riemen oder Schnallen sollten gelockert werden.

    Dies aber nur dann, wenn gleichzeitig keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!

    Prognose

    Eine Unterkühlung kann schnell übersehen werden, besonders beim Vorliegen anderer Schädigungen z.B. bei Verkehrsunfällen etc. und bedarf bei ausgeprägteren Erscheinungen dringender medizinischer Hilfe. Bei einer verzögerten Therapie kann es zu ernsten Organschädigungen und im Extremfall bis zu einem tödlichen Ausgang kommen. Ist die rechtzeitige Erwärmung der Körperkerntemperatur ohne Komplikationen (Herzrhythmus-störung) gelungen, ist allerdings kaum mit ernsten Folgen zu rechnen. Tritt eine Unterkühlung mit anderen schweren Verletzungen kombiniert auf, dann kann sie zur Verschlechterung der Gesamtsituation führen. Daher sollte jede Art einer Unterkühlung unbedingt vermieden werden.

    Bei Erfrierungen I. Grades sind außer geringen Missempfindungen bei erneut auftretenden kälteren Temperaturen keine Veränderungen zu bemerken. Je nach Expositionsdauer und -zeit können nach Verschluss der Wundfläche (selbstständige Abheilung) Missempfindungen, vermehrte und schnelle Rötung der Haut bei Kälteeinwirkung auftreten. Es können aber auch Narben bei sehr langwieriger Abheilung der Wundflächen entstehen. Ist eine sehr lange und extreme Kälteexposition eingetreten, liegen also Erfrierungen III. Grades vor, ist eine Amputation im Extremfall nicht auszuschließen.

    Bei einem vernünftigen Verhalten und einer angemessenen Kleidung muss sich aber niemand den Spaß an den Winterfreuden nehmen lassen. Aber es sollte stets daran gedacht werden, dass der Mensch ein Warmblütler und kein Reptil ist, auch wenn er sich mit entsprechender Kleidung und Anpassung der Lebensumstände die eisigen Regionen der Erde erobert hat. Dafür waren aber Umsicht und ebenso ein entsprechendes Verhalten Voraussetzung.

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    Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
    Siehe auch:
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    Arbeitsgesetze
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